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Es galt eine Zeitlang als schick zu behaupten, in der Wiener Elektronik-Szene sei nicht mehr viel los. Das Gegenteil ist wahr.

HVOB

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Donnerstag, 25 Juli 21.30

Es galt eine Zeitlang als schick zu behaupten, in der Wiener Elektronik-Szene sei nicht mehr viel los. Das Gegenteil ist wahr: Elektronik ist bloß keine gesondert wahrnehmbare Nische mehr, sondern omnipräsent als dominante Form des Pop. HVOB (Her Voice Over Boys), deren vielgelobtes Debüt-Album im März in Deutschland bei Oliver Koletzkis Elektronik-Label Stil vor Talent erschienen ist, sind ein Paradebeispiel dafür. Man erkennt das paradoxerweise zum Beispiel daran, dass es allgemein als eigenbrötlerische Sondereinlage angesehen wird, wenn das Duo sich auf der Bühne einen „echten“ Schlagzeuger als Verstärkung leistet. Jener mimt nicht etwa bloß geschäftig zu vorprogrammierten Beats, sondern reagiert spontan auf die von der Live-Laune des Moments abhängigen Handzeichen von Paul Wallner, der Knöpfchen-drehenden Hälfte von HVOB. Anna Müller, die singt, Keyboards spielt und im Alleingang die Songideen ausheckt, bekannte letztes Jahr in einem Interview mit The Gap, dass sie mit ihren Texten nicht viel zu sagen hätte. Sie mag es nicht darauf angelegt haben, aber vor dem Hintergrund der kristallin sauberen Oberfläche von HVOBs Deep House-Sounds, nehmen gerade die von Müller mit phlegmatischem Tonfall vorgebrachten Allgemeinplätze einen eigenartig ominösen Unterton an. „Let sleeping dogs lie“ klingt in diesem Kontext fast schon nach einer Drohung. Und erst: „We’re on the run“ – Himmel, auf der Flucht, vor wem denn? Partymusik für das paranoide Zeitalter also, passend zum Ausklang der ersten Seebühnen-Nacht des Popfests im ersten Jahr nach dem endgültigen Fall des digitalen Freiheitsmythos.

 
 

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